Eine lange Tradition!

Im Juni 1954 eröffneten meine Eltern die Speisewirtschaft "Altes Landhaus". Es war ein reiner Mittagstisch und jeden Tag gab es ein gutbürgerliches Menü: freitags Fisch, samstags Eintopf und sonntags Braten. Meine Mutter hatte einen Menüplan für drei Wochen. Die Gäste aßen im Abonnement, das heißt, sie meldeten sich fest für die ganze Urlaubszeit zum Essen an. Die Familien hatten zu ihrer festen Uhrzeit ihren Tisch. Sie kamen, aßen, gingen wieder, und samstags gab es zum Nachtisch die Rechnung für die vergangene Woche.

Bis zu 100 Essen jeden Mittag in drei Schichten waren es in den Sommerferien. Damals gab es noch keine Ferienwohnungen. Fast jedes Haus im Dorf hatte ein bis zwei "Stuben" an "Badegäste" vermietet. Für Frühstück und Abendbrot hatten sie Küchenbenutzung, aber mittags gingen fast alle zum Mittagstisch.

Das "Alte Landhaus" war auch unser Wohnhaus. Im Winter waren die Gasträume wieder Wohnzimmer, Schlafzimmer und Kinderzimmer. Im Sommer wurden die privaten Möbel einschließlich der Bewohner mit Kind und Kegel auf den Dachboden gebracht und Tische und Stühle vom Dachboden herunter geholt und aufgestellt. Im kleinen Gastraum sind es übrigens immer noch dieselben Tische und Stühle wie vor 55 Jahren. Für einen Stuhl hat mein Vater 17 DM bezahlt und wie Sie sehen, hat sich die Ausgabe gelohnt. Es haben inzwischen ca. 25.000 Personen auf jedem Stuhl gesessen.

Im Sommer mussten alle mit anpacken, jeder bekam seinem Alter entsprechende Aufgaben zugewiesen: Mutter kochte, die Tante bediente und die Kinder mussten Kartoffeln schälen, Salat waschen, Geschirr abtrocknen, Leergut sortieren, fegen und (das schlimmste) Unkraut zupfen.

Mit der Zeit wurde es immer beliebter, abends essen zu gehen, so dass wir 1978 die Grillstube einrichteten. Die Hausmannskost war passee, grillen im Gastraum war der neueste Schrei, es begann die "Fleischzeit". Steaks bis zu 400g wurden auf Holzbrettern serviert. Kartoffeln und Sauce waren out, Pommes Frites waren in. Mit den Jahren hat sich vieles geändert, früher musste z.B. das Gemüse schön weich, heute soll es möglichst fest sein.

Meine Mutter arbeitete noch mit 71 Jahren in der Küche mit, doch dann wurde sie Großmutter und hat sich ausschließlich um ihre Enkelkinder gekümmert. 1995 übernahm ich dann das Restaurant.

In den 90ern wurde die Küche internationaler und damit auch vielseitiger und leichter. Doch einige Gerichte sind heute noch genauso gefragt wie vor 60 Jahren.

Auch Ihnen "Guten Appetit"!

Elke Schultz

hochscrollen runterscrollen Illustration Illustration
Reservierung I Kontakt
Anfahrt
illustration
Impressum